Die alte Faustregel ist eins durch die Brennweite, und das ist Rechnung und keine Messung: bei 200 mm etwa 1/200 s. Sie sagt nichts über die eigenen Hände, die Haltung oder das Motiv — nur über das Objektiv.
Die Faustregel ist eine Zahl geteilt durch eine andere, und ihr Nutzen kommt daher, dass sie ungefähr stimmt, nicht daher, dass sie gemessen wäre.
Die Rechnung
Man nimmt die Brennweite in Millimetern und verwendet eins durch sie als Verschlusszeit: 50 mm ergeben etwa 1/50 s, 300 mm etwa 1/300 s. Längere Objektive vergrößern Winkelbewegungen, dasselbe Zittern verschiebt das Bild also weiter.
Was sie weglässt
Das Motiv. Ein stillstehendes Gebäude ist bei 1/50 s scharf; ein laufendes Kind bei keiner Brennweite. Motivbewegung beantwortet allein die Verschlusszeit, also das Licht.
Die Haltung. An eine Wand gelehnt mit angelegten Ellbogen ist man mehrere Blendenstufen besser als mit einer Hand auf Armlänge, und das veröffentlicht niemand.
Das Format. Beim kleineren der beiden Formate hier bildet dieselbe gravierte Brennweite enger ab, das Verwackeln zeigt sich also früher.
Was der Katalog auf der anderen Seite davon veröffentlicht
Das Blendenpaar — f/3.5-6.3 bei einem typischen Kitzoom —, das überhaupt entscheidet, wie viel Verschlusszeit verfügbar ist. Am langen Ende sind schon zweieinhalb Blendenstufen weg, bevor irgendeine Regel angewandt wird, und das ist der Wert, den man zuerst lesen sollte.
Wo diese Seite und das Handbuch des Herstellers voneinander abweichen, entscheidet das Handbuch. Jede Brennweite, Blende, Leitzahl, Blendenstufe Stabilisierung, Lastangabe und Abdichtungsangabe auf dieser Seite stammt aus der eigenen Dokumentation des Herstellers, mit der Einheit wie veröffentlicht, und wird als solche benannt — nichts davon wird hier gemessen. Ein gravierter Wert wird so wiedergegeben, wie der Hersteller ihn graviert, und nie in einer anderen Konvention neu angegeben, denn beides ist nicht dieselbe Zahl. Und für jeden in Blendenstufen angegebenen Wert: Ein Stabilisierungswert ist ein Laborergebnis, gewonnen nach einem genannten Protokoll, kein Versprechen für Aufnahmen aus der Hand. Wo ein Hersteller das Protokoll und die Brennweite nennt, bei der gemessen wurde, stehen hier beide neben der Zahl. Wo keines genannt ist, wird auch dieses Fehlen angegeben, und kein Wert wird an seiner Stelle erschlossen.
Was man vor der Entscheidung fragt
Ändert sich die Regel an einem kleineren Sensor?
Der Bildausschnitt ändert sich, das Verwackeln zeigt sich also bei derselben gravierten Brennweite stärker — ein 200-mm-Objektiv am kleineren Format bildet ab wie ein längeres Objektiv am größeren. Den gravierten Wert vor Anwendung der Regel mit dem Verhältnis der Bildbreiten zu multiplizieren, ist die übliche Korrektur, und es ist jedes Mal eine Berechnung.
Wie viele Blendenstufen fügt die Stabilisierung hinzu?
Das, was der Hersteller veröffentlicht, gemessen nach einem Protokoll, das er nennt — und in diesem Katalog **nennt kein Titel überhaupt ein Protokoll**. Eine nackte Blendenstufenzahl ist nur mit einer anderen nackten Blendenstufenzahl vergleichbar. Man sollte sie als Reserve behandeln und nicht als Freibrief, denn die Regel, die sie verändert, handelte auch nie von den eigenen Händen.
Zuletzt durchgesehen: 12. September 2026